Beitrag aus der Zeitung
veröffentlich in der b-Zeitung
Oxidativer Stress, der stille Energieräuber in unserem Körper
Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit sind Symptome, die uns in der Praxis sehr häufig begegnen. Viele Menschen beschreiben eine anhaltende Müdigkeit, die sich weder durch Schlaf noch durch Erholung wirklich bessert. Neben seelischen und körperlichen Belastungen spielt hier zunehmend ein biochemischer Faktor eine Rolle, der oxidative Stress.
In jeder Zelle unseres Körpers laufen täglich unzählige Stoffwechselprozesse ab, bei denen Energie gewonnen wird. Dabei entstehen hochreaktive Sauerstoffverbindungen, die sogenannten freien Radikale. Diese werden in geringen Mengen vom Immunsystem genutzt, um Krankheitserreger unschädlich zu machen. Problematisch wird es, wenn mehr freie Radikale entstehen, als unser Körper abfangen kann, dann greifen sie Zellen und Moleküle an, was zu Zellschäden, Entzündungen, Alterungsprozessen oder Krankheiten führt. Ursachen hierfür sind z.B. chronischer Stress, Schlafmangel, falsche Ernährung, Umweltbelastung, Rauchen oder Alkohol. Die Balance zwischen den oxidativen Prozessen und den schützenden Gegenkräften, den Antioxidantien, gerät aus dem Gleichgewicht, das bezeichnet man als oxidativen Stress.
Antioxidantien schützen unsere Zellen. Sie neutralisieren freie Radikale, bevor diese Zellstrukturen, Eiweiße oder das Erbgut schädigen können. Zu den wichtigsten Antioxidantien zählen die Vitamine C und E, die Spurenelemente Selen und Zink, sowie sekundäre Pflanzenstoffe, wie Polyphenole und Carotinoide. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche, überwiegend pflanzenbasierte Kost bildet eine gute Grundlage, den Körper ausreichend mit Antioxidantien zu versorgen.
Wenn die Lebensumstände besonders belastend sind oder bereits Erschöpfungssymptome bestehen, kann eine gezielte Unterstützung durch Mikronährstoffe die Stoffwechselvorgänge optimieren.
Wichtige Parameter sind unter anderem Vitamin D, Zink, Selen, Coenzym Q10, Alpha Liponsäure, Glutathion, Magnesium, Omega 3 und einige B-Vitamine. Diese Mikronährstoffe sind entscheidend für eine optimale Energiegewinnung und Nervenfunktion und für den Zellschutz. Eine bedarfsorientierte Zufuhr nach erfolgter Labordiagnostik kann eine spürbare Verbesserung bringen.
Ein wesentlicher Baustein zur Reduktion von oxidativem Stress ist ausreichender Schlaf, da in dieser Phase Zellschäden repariert werden. In der Tiefschlafphase sind antioxidative Mechanismen besonders aktiv. Freie Radikale werden vermehrt abgebaut, Reparaturprozesse aktiviert und die Energieproduktion in den Mitochondrien wieder stabilisiert. Chronischer Schlafmangel oder gestörter Schlaf führen demnach zu einer anhaltenden Belastung der Zellen, verstärken oxidativen Stress und können Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und eine erhöhte Infektanfälligkeit begünstigen. Ausreichender, erholsamer Schlaf ist unbedingt notwendig, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken und die Zellgesundheit zu erhalten.
Weiterhin benötigen wir gezielte Phasen der Entspannung, um oxidativen Stress zu reduzieren. Stresshormone wie Cortisol fördern die Bildung freier Radikale, belasten die Zellen und erschöpfen die Energieversorgung. Durch regelmäßige Erholungsphasen, zum Beispiel in Form von Atemübungen, Meditation, Yoga, Spaziergängen in der Natur oder einem kurzen Mittagsschlaf von 15 Minuten, kann der Körper zur Ruhe kommen und die Stressbelastung senken.
Fazit: Aus ärztlicher Sicht ist oxidativer Stress kein Grund zur Sorge, sondern ein Signal des Körpers, dass unsere Zellen Unterstützung brauchen. Die gute Nachricht ist, dass wir selbst viel tun können, um die Balance wiederherzustellen und unsere Energie zurückzugewinnen. Achten Sie bitte gut auf sich. Gönnen Sie Ihren Zellen regelmäßig Schlaf, Pausen, Entschleunigung und kraftvolle Nahrung, so unterstützen Sie Ihre Gesundheit von innen heraus. Es lohnt sich, kleine Veränderungen konsequent in den Alltag einzubauen, jede positive Maßnahme wirkt wie ein Tropfen auf das Energiekonto der Zellen und summiert sich zu mehr Vitalität, Leistungsfähigkeit und innerer Ausgeglichenheit.
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