Beitrag aus der Zeitung

veröffentlich in der b-Zeitung

Ernährung als Therapie, das Heilungspotenzial liegt auf dem Teller


In den vergangenen Beiträgen haben wir uns mit der Funktion des Darms und möglichen naturheilkundlichen Behandlungsansätzen beschäftigt. Heute wird es darum gehen, wie wir über eine ausgewogene Ernährung und günstige Essgewohnheiten unseren Darm positiv beeinflussen können. Doch was bedeutet das eigentlich und warum scheitern wir im Alltag so häufig daran?

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist weder kompliziert noch dogmatisch. Sie basiert auf wenigen klaren Prinzipien: 

  • ein hoher Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln: reichlich Gemüse, moderate Mengen Obst
  • hochwertige Eiweißquellen: Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse
  • vollwertige Kohlehydrate: Vollkorn- und Getreideprodukte
  • naturbelassene Fette: Olivenöl, Rapsöl, Leinöl
  • zucker- und alkoholfreie Getränke
  • möglichst Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker, übermäßigen Fleischkonsum.

Im Alltag scheitert die Umsetzung meist weniger am Wissen als an unseren Lebensgewohnheiten. Zeitdruck, berufliche Belastung, ständige Verfügbarkeit von Snacks und die Gewöhnung an schnelles, nebenbei konsumiertes Essen führen dazu, dass Mahlzeiten ihren strukturierten Rahmen verlieren. Wir essen im Stehen, im Auto, vor dem Bildschirm, ohne bewusste Wahrnehmung.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist dies ungünstig. Um den Verdauungsmechanismus in Gang zu setzen, ist die Aktivierung des Vagusnervs erforderlich. Das geschieht durch Ruhe, Konzentration und gründliches Kauen. Bleiben wir während des Essens im Aktivitätsmodus, wird der Verdauungsprozess deutlich verlangsamt, was den Magen-Darm-Trakt belastet. Auch nehmen wir dann mehr Nahrung zu uns, als tatsächlich benötigt wird, denn der Sättigungseffekt setzt erst nach 20 Minuten ein. Ebenso wichtig sind längere Essenspausen von 5 bis 6 Stunden. Dauerhaftes Snacken verhindert notwendige Erholungsphasen zwischen den Mahlzeiten, in denen der Insulinspiegel sinkt, der Körper alternativ gespeicherte Energie nutzt und regenerative Prozesse aktiviert. 

Gesunde Ernährungsgewohnheiten bedeuten daher nicht nur eine gute Lebensmittelauswahl, sondern auch Esskultur, sich Zeit nehmen, im Sitzen essen, Mahlzeiten bewusst beginnen und beenden, zwischen den Mahlzeiten Pausen zulassen und nicht permanent nebenbei zu konsumieren.

Aus ärztlicher Sicht ist Ernährung damit nicht nur Versorgung, sondern gezielte Regulation. Was und wie wir essen entscheidet darüber, ob Entzündungen gefördert, Krankheiten entstehen oder verhindert werden. Ergänzend können regelmäßige Fastenphasen antiinflammatorische Effekte verstärken, indem sie unseren Stoffwechsel entlasten und regenerative Prozesse ermöglichen.

Fazit: Ich lade Sie ein, Ernährung nicht als Einschränkung, sondern als tägliche Chance zu verstehen, als eine der wirksamsten und zugleich einfachsten Möglichkeiten, nicht nur Ihren Darm, sondern Ihre Gesundheit generell aktiv und selbstbestimmt zu stärken.


Herzlich, Ihre Dr. med. Grit Schlesiger


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