Beitrag aus der Zeitung

veröffentlich in der b-Zeitung

Erkältungszeit, wenn Husten uns nicht zur Ruhe kommen lässt


Mit den kühleren Tagen beginnt wieder die Erkältungszeit. In der Praxis erlebe ich häufig, dass Husten schnell verunsichert und die Sorge vor einer ernsteren Erkrankung weckt. Dabei ist ein akuter Husten im Rahmen einer Erkältung meistens harmlos und heilt von selbst wieder ab.


Husten ist zunächst eine wichtige Schutzreaktion. Er befreit die Atemwege von Sekret, Krankheitserregern und eingeatmeten Reizstoffen. Zu Beginn eines Infektes ist er oft trocken und quälend, später kann sich Sekret lösen. Auch wenn die übrigen Beschwerden bereits abgeklungen sind, kann der Husten noch eine Weile bleiben. Die Atemwege reagieren nach einem Infekt häufig empfindlicher auf kalte Luft, längeres Sprechen oder körperliche Anstrengung. Das allein ist noch kein Grund zur Beunruhigung.
Ein Infekt bedeutet auch nicht, dass unser Immunsystem versagt hat. Im Gegenteil: Es arbeitet gerade intensiv. Müdigkeit, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und der Wunsch nach Rückzug sind deshalb durchaus sinnvolle Signale. Sie erinnern uns daran, für einige Tage langsamer zu werden. Wer diese Zeit der Genesung nicht zulässt und zu früh wieder voll leistungsfähig sein möchte, braucht häufig länger, bis er sich wirklich erholt fühlt.


Wann kann ich zunächst abwarten


Solange Sie gut Luft bekommen, der Allgemeinzustand stabil bleibt und die Beschwerden langsam nachlassen, darf ein Erkältungshusten meist zu Hause auskuriert werden. Auch gelbliches oder grünliches Sekret bedeutet nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion oder eine Lungenentzündung vorliegen.


Ärztlicher Rat ist wichtig bei Atemnot, Schmerzen oder Druck im Brustkorb, blutigem Auswurf, hohem oder erneut ansteigendem Fieber sowie bei einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Ältere und gebrechliche Menschen entwickeln nicht immer deutliches Fieber. Stattdessen können ungewöhnliche Schwäche, Verwirrtheit, Appetitlosigkeit oder eine veränderte Atmung erste Hinweise auf eine ernste Erkrankung sein. Menschen mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen oder einer geschwächten Immunabwehr sollten sich frühzeitig in ihrer hausärztlichen Praxis vorstellen. Hält der Husten über mehrere Wochen an oder kehrt er immer wieder, ist ebenfalls eine Abklärung sinnvoll.


Diese Hinweise sollen Ihnen Sicherheit geben. Sie brauchen einen unkomplizierten Erkältungshusten nicht ängstlich zu beobachten. Entscheidend ist die Frage: Geht es mir insgesamt allmählich besser oder entwickelt sich etwas in die falsche Richtung?


Dem Körper Zeit und gute Bedingungen geben


Während eines Infektes braucht der Körper vor allem Ruhe, ausreichend Schlaf und Wärme. Trinken Sie nach Ihrem Durstgefühl und essen Sie leicht, nährstoffreich und bekömmlich. Frische Luft tut gut, solange Sie sich warm anziehen und nicht erschöpfen. Auch seelische Ruhe gehört zur Genesung. Einige Tage weniger Verpflichtungen sind keine verlorene Zeit, sondern Teil der Behandlung.
Über Schlaf, Ernährung, Bewegung und die Unterstützung des Immunsystems habe ich an dieser Stelle bereits ausführlich geschrieben. Deshalb möchte ich Ihnen heute eine einfache äußere Anwendung näherbringen, die sich gut zu Hause durchführen lässt.


Ein warmer Brustwickel


Bei Husten kann ein Thymianwickel angenehm unterstützen und Linderung verschaffen. Dazu übergießen Sie einen Esslöffel Thymiankraut mit etwa 100 Millilitern kochendem Wasser und lassen den Aufguss zugedeckt zehn Minuten ziehen. Tränken Sie ein Baumwolltuch darin, wringen Sie es gut aus und prüfen Sie sorgfältig die Temperatur. Das Tuch sollte angenehm warm sein, darf sich auf der empfindlichen Haut des Brustkorbs jedoch keinesfalls zu heiß anfühlen. Legen Sie es auf die Brust und decken Sie es mit einem trockenen Handtuch ab. Darüber kann eine angenehm warme Wärmflasche gelegt werden. Bleiben Sie für etwa 20 Minuten ruhig liegen.


Als Alternative eignet sich ein milder Ingweraufguss, besonders wenn Wärme als angenehm empfunden wird. Hierfür schneiden Sie etwa einen Zentimeter Ingwer in dünne Scheiben, übergießen ihn mit 200 Millilitern kochendem Wasser und lassen den Aufguss einige Minuten ziehen. Ingwer kann die Haut stärker reizen. Bei Brennen oder deutlicher Rötung wird die Anwendung sofort beendet.


Bei trockenem, unruhigem Husten am Abend kann auch eine Lavendelauflage wohltuend sein. Dafür übergießen Sie einen Esslöffel Lavendelblüten mit 100 Millilitern kochendem Wasser und lassen den Aufguss zugedeckt ziehen. Alternativ kann ein Tropfen feines Lavendelöl zunächst in etwas Sahne verteilt und anschließend in etwa 250 Milliliter warmes Wasser eingerührt werden. Ätherisches Öl gehört niemals unverdünnt auf die Haut.


Wickel sind traditionelle Anwendungen. Sie können Wärme vermitteln, die Atmung beruhigen und eine bewusste Ruhezeit schaffen. Bei hohem Fieber, ausgeprägter Kreislaufschwäche, offenen Hautstellen oder gestörter Temperaturempfindung sollte darauf verzichtet werden. Wenn Sie mehr über Wickelanwendungen erfahren möchten, empfehle ich Ihnen die Seite vademecum.care.


Naturheilkundliche Unterstützung in der Praxis


Bei länger anhaltendem Reizhusten, begleitendem Schnupfen oder einer verzögerten Erholung können nach der ärztlichen Untersuchung gezielt Akupunktur und Neuraltherapie eingesetzt werden. Kleine Mengen Procain werden zunächst oberflächlich in definierte Hautareale über den Lungenfeldern injiziert. Anschließend erfolgt die Akupunktur an individuell ausgewählten Punkten.


Ziel der Behandlung ist es, den Hustenreiz zu lindern, die Nasenatmung bei begleitender Rhinitis zu unterstützen und die körpereigene Regulation zu fördern. Die Auswahl der Reflexzonen und Akupunkturpunkte richtet sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild und der persönlichen Konstitution. Gerade die Verbindung aus Neuraltherapie und Akupunktur hat sich nach meiner Praxiserfahrung bei Husten und Infekten sehr gut bewährt. Sie kann besonders dann eine wertvolle Unterstützung sein, wenn der Husten nur langsam abklingt oder der Körper nach einem Infekt nicht recht in seine Kraft zurückfindet.


Husten verlangt manchmal mehr Geduld, als uns lieb ist. Diese Zeit darf dennoch als Phase der Genesung angenommen werden. Wer die Signale seines Körpers ernst nimmt, ihm Ruhe gibt und die Warnzeichen kennt, kann viele Erkältungsinfekte ruhig und selbstbestimmt zu Hause begleiten.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie gut und mit Vertrauen in die eigenen Kräfte durch die Erkältungszeit kommen.

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Herzlich, Ihre Dr. med. Grit Schlesiger


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