Beitrag aus der Zeitung
veröffentlich in der b-Zeitung
Schöne Haut – teuer gepflegt oder gut versorgt?
Kaum ein Bereich der Gesundheits- und Schönheitsbranche wächst so rasant wie die Hautpflege. Cremes gegen Falten, Seren mit Hyaluron, Vitamin C, Kollagen oder pflanzlichen Wunderextrakten versprechen jugendliche Haut bis ins hohe Alter. Gleichzeitig verbreiten soziale Medien täglich neue Trends und vermeintliche Geheimtipps.
Doch was braucht unsere Haut wirklich? Die Antwort ist wenig spektakulär: Gesunde Haut benötigt vor allem eine intakte Hautbarriere, ausreichend Feuchtigkeit, einen konsequenten Sonnenschutz und Pflege, die zum individuellen Hauttyp passt.
Unsere Haut ist weit mehr als eine schützende Hülle. Sie ist ein hochaktives Organ, das sich ständig selbst erneuert. Etwa alle vier Wochen wird die oberste Hautschicht vollständig ersetzt. In den tieferen Hautschichten entstehen kontinuierlich neue Zellen, während abgestorbene Hornzellen an der Oberfläche unbemerkt abgestoßen werden. Gleichzeitig produziert die Haut eigene Fette (Lipide), bildet natürliche Feuchthaltefaktoren und erhält mit ihrem leicht sauren Säureschutzmantel und dem Hautmikrobiom eine wirksame Barriere gegen Krankheitserreger und Umwelteinflüsse. Kleinste Verletzungen repariert sie meist selbstständig, Entzündungen werden reguliert und der Feuchtigkeitshaushalt ständig angepasst. Eine gesunde Haut benötigt deshalb vor allem eines: möglichst wenig Störungen ihrer natürlichen Regenerationsprozesse.
Zertifizierte Biokosmetik verfolgt das Ziel, die Hautbarriere zu unterstützen, statt sie zu überdecken. Hochwertige pflanzliche Öle wie Jojoba- oder Mandelöl liefern essenzielle Fettsäuren, die den natürlichen Hautlipiden ähneln und den Wiederaufbau der Hautbarriere fördern. Sheabutter schützt vor Feuchtigkeitsverlust, ohne die Hautfunktion zu beeinträchtigen. Natürliches Aloe vera wirkt beruhigend und unterstützt gereizte Haut. Gleichzeitig verzichten zertifizierte Naturkosmetik-Siegel weitgehend auf Stoffe, die aus ökologischer oder hautphysiologischer Sicht kritisch diskutiert werden, darunter Silikone, Paraffine auf Mineralölbasis, Mikroplastik sowie zahlreiche synthetische Duft- und Konservierungsstoffe.
Nicht jede konventionelle Kosmetik ist schlecht, denn viele dermatologisch bewährte Wirkstoffe wie Glycerin, Urea oder Ceramide finden sich gerade in hochwertigen, konventionellen medizinischen Pflegeprodukten. Kritisch wird es jedoch dort, wo Produkte vor allem einen kurzfristigen kosmetischen Effekt erzeugen.
Silikone legen sich wie ein feiner Film auf die Haut. Dadurch fühlt sie sich sofort weich und glatt an, die Hautstruktur selbst wird jedoch nicht verbessert. Mineralölbasierte Paraffine bilden ebenfalls einen nahezu undurchlässigen Film. Sie verhindern zwar den Wasserverlust, liefern der Haut jedoch keine Bausteine für die Regeneration und ersetzen keine hauteigenen Lipide. Die Haut wirkt gepflegt, ohne tatsächlich besser versorgt zu werden.
Besonders problematisch sind stark parfümierte Produkte. Duftstoffe gehören zu den häufigsten Ursachen für Kontaktallergien. Auch aggressive Tenside oder häufige Peelings können die natürliche Hautbarriere schädigen und den Säureschutzmantel stören. Die Folge sind Trockenheit, Reizungen und ein erhöhter Pflegebedarf, ein Kreislauf, von dem letztlich vor allem die Kosmetikindustrie profitiert.
Hinzu kommen zahlreiche Werbeversprechen, die wissenschaftlich kaum haltbar sind. Cremes können weder verlorenes Kollagen ersetzen noch tiefe Falten beseitigen oder Poren dauerhaft verkleinern. Oft entsteht lediglich ein kurzfristiger optischer Effekt durch Feuchtigkeitsbindung oder filmbildende Inhaltsstoffe.
An dieser Stelle soll noch eines unbedingt erwähnt sein: Kosmetika gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Sowohl konventionelle als auch zertifizierte Biokosmetik können Hautreizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Ausschlaggebend sind die Inhaltsstoffe und die persönliche Hautempfindlichkeit. Besonders Duftstoffe, ätherische Öle und bestimmte Konservierungsmittel gelten als häufige Allergieauslöser.
Nicht jede Haut braucht dieselbe Pflege, entscheidend ist, die Produkte auf den individuellen Hauttyp und seinen tatsächlichen Bedarf abzustimmen.
Trockene Haut spannt häufig, fühlt sich rau an und neigt zu feinen Schuppen. Sie profitiert von rückfettenden Pflanzenölen und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen.
Fettige Haut produziert vermehrt Talg, glänzt schnell und neigt zu Unreinheiten. Geeignet sind leichte Feuchtigkeitsgele oder Lotionen mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Aloe vera, die Feuchtigkeit spenden, ohne die Poren zu verstopfen.
Mischhaut zeigt meist eine fettige T-Zone bei gleichzeitig trockenen Wangen und benötigt eine ausgewogene Pflege.
Empfindliche Haut reagiert häufig schon auf geringe äußere Reize wie Duftstoffe, neue Kosmetika oder Temperaturwechsel mit Rötungen, Brennen oder Juckreiz. Sie sollte daher möglichst reizarm gepflegt werden.
Fazit: Aus naturheilkundlicher Sicht steht nicht die möglichst aufwendige Pflege im Vordergrund, sondern die Unterstützung der natürlichen Selbstheilungs- und Regenerationskräfte der Haut. Eine hochwertige, möglichst zertifizierte Biokosmetik, angepasst an den individuellen Hauttyp, konsequenter Sonnenschutz und wenige, gut ausgewählte Pflegeprodukte reichen in der Regel vollkommen aus. Wie wir schon im vorhergehenden Artikel ausführlich besprochen haben, sind auch die Faktoren wichtig, welche die Haut von innen stärken: eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, ein gesunder Darm, genügend Schlaf als wichtigste Regenerationsphase, regelmäßige Bewegung und frische Luft. Wer Körper und Haut auf diese Weise ganzheitlich unterstützt, schafft die besten Voraussetzungen für eine gesunde, widerstandsfähige Haut und strahlt dieses Wohlbefinden ganz natürlich auch nach außen aus.
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Herzlich, Ihre Dr. med. Grit Schlesiger
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